Österreichs Vierspänner-Team in den Top-10

Österreichs Vierspänner-Team liegt nach der Dressur bei den Weltmeisterschaften in Aachen auf Rang zehn. In der Para-Dressur fehlten Julia Sciancalepore nach zwei starken Prüfungen nur 0,375 Prozentpunkte auf den Einzug ins Kür-Finale. Für die Vierspänner geht es am Samstag im Marathon weiter, in der Para-Dressur wartet mit Julia Mitterhuemer noch eine österreichische Starterin auf ihren Einsatz.


FAHREN

Schneiders mit Ersatz-Schimmel
Alexander Bösch hatte als erster Fahrer des rot-weiß-roten Vierspännerteams am Donnerstag mit einer hervorragenden Dressur gut vorgelegt. Heute folgten seine Kollegen.
Daniel Schneiders, im vergangenen Jahr EM-Fünfter und der große Routinier im Team, zeigte sich mit seiner Dressur zufrieden. „Eines meiner Vorderpferde ist vor der WM ausgefallen. An seiner Stelle haben wir jetzt einen kleinen Schimmel am Start, der sonst eigentlich nur Shows läuft. Das ist hier erst sein zweites Turnier überhaupt. Wenn mir vor anderthalb Jahren jemand gesagt hätte, du fährst mit dem Schimmel in die WM-Dressur in Aachen rein, hätte ich gesagt: im ganzen Leben nicht. Aber er hat es sehr gut gemeistert, auch wenn Stillstehen in dieser Atmosphäre heute nicht zu seinen Stärken gezählt hat.“

Apropos Stärke: Die liegt für Daniel Schneiders ganz klar im Marathon, der am Samstag als nächste Teilprüfung auf dem Programm steht. „Ich denke, da können wir noch ein bisschen was rausholen“, geht der 39. nach der Dressur (62,96 Minuspunkte) optimistisch in die nächste Aufgabe.

Bislang war Schneiders bei Weltmeisterschaften ausschließlich als Einzelfahrer für Österreich am Start, das Antreten als Teil einer Mannschaft ist für ihn eine neue Erfahrung – eine positive: „Hier als Mannschaft am Start zu sein, ist eine super Sache. Wir sind eine gute Truppe, jeder hilft dem anderen. Das ist ein guter Spirit.“

Binder erfüllt sich einen WM-Traum

Team-Senior und Einzelfahrer Wolfgang Binder kämpfte nach seiner Dressur mit den Emotionen. „Ich bin seit 30 Jahren im Fahrsport unterwegs und hätte mir damals bei meinem 65. Geburtstag nicht gedacht, dass ich tatsächlich einmal vierspännig bei einer Weltmeisterschaft starten würde. Der Weg hierher war mit unglaublich viel Arbeit verbunden und wäre ohne die Unterstützung meiner Familie und meines Teams nicht möglich gewesen. Umso schöner ist es, jetzt hier in Aachen zu sein und diesen Traum erleben zu dürfen.“

In den Marathon startet Binder als 42. mit 63,96 Minuspunkten auf dem Konto. „Die Pferde sind für den morgigen Marathon perfekt vorbereitet – jetzt gilt es, die richtigen Entscheidungen zu treffen und gut ins Ziel zu kommen.“

Gillinger erwartet echten Kraftakt

Diese Aufgabe wird allerdings schwer genug, wie Teamfahrer Erwin Gillinger weiß. Mit 61,70 Minuspunkten und Rang 33 war er mit seiner Dressur heute nicht ganz zufrieden. „Die Kulisse war sehr beeindruckend, für meine Vorderpferde vielleicht sogar zu beeindruckend. Aber so ist halt Aachen und so ist halt Weltmeisterschaft.“
Das Gelände bezeichnet der 58-Jährige, der wie seine Teamkollegen Bösch und Binder in Aachen seine erste WM im Vierspänner bestreitet, als sehr herausfordernd. „Der Marathon ist schwierig, die Strecke sehr lang mit viel bergauf und bergab und der Boden schon jetzt sehr schwer. Mit noch mehr Regen und einer späten Startnummer kann das schon ein echter Kraftakt werden morgen.“

In der Teamwertung liegt Österreich nach dem ersten von insgesamt drei Teilbewerben auf Rang 10.

PARA-DRESSUR

Nur 0,375 Prozentpunkte fehlten auf das Kürfinale

Ein Tag zwischen Lachen und Weinen war der heutige Freitag für Julia Sciancalepore. Die Kärntner Grade-I-Reiterin hatte mit ihrem langjährigen Erfolgspferd Heinrich IV im Mannschaftsbewerb erneut einen souveränen Ritt im Aachener Deutsche-Bank-Stadion abgeliefert. 70,958 Prozent standen beim Verlassen des Vierecks auf der Anzeigetafel – eigentlich ein Grund zur Freude. Doch die Enttäuschung war groß, als es nach zwei starken Ergebnissen am Ende trotzdem nicht für das Kür-Finale am Sonntag reichte. Um denkbar knappe 0,375 Prozentpunkte.

„Am Mittwoch hatten wir in unserer Prüfung eine Störung, das war heute nicht der Fall, deshalb verstehe ich die Noten nicht ganz. Ich hätte mir gewünscht, dass die Richter einen Unterschied sehen zwischen dem scheuenden Pferd im Einzelfinale und einem entspannt gehenden Pferd heute im Teambewerb. Aber so ist der Dressursport, da muss man die Noten akzeptieren. Dass es jetzt so knapp nicht für die Kür gereicht hat, ist natürlich enttäuschend“, sagt die EM-Vierte des Vorjahres.

„Beide Prüfungen zusammenstoppeln, dann passt’s!“

Das Finale hatte Pepo Puch nach dem nicht optimal gelungenen Auftaktbewerb bereits für sich abgehakt. Heute gelang dem Steirer dennoch ein versöhnlicher Abschluss. 70,167 Prozent bedeuteten eine Steigerung um knapp zweieinhalb Prozentpunkte gegenüber dem Einzelfinale.

Das macht Mut für die kommenden Aufgaben. Auch wenn Puch, zielstrebig wie er ist, immer noch viel Raum für Verbesserungen sieht: „Wir haben probiert, das umzusetzen, was wir uns vorgestern vorgenommen hatten. Heute war Royale Choice in der Anlehnung viel ruhiger. Dafür konnte ich nicht ausreichend viel riskieren, um seine Schrittqualität zur Gänze auszuspielen. Wenn wir den Schritt vom ersten Tag und die Anlehnung von heute kombinieren könnten, dann wäre es optimal. Das ist das Ziel, auf das wir weiter hinarbeiten müssen.“

Deutliche Steigerung trotz Nervenflattern

Auch Thomas Haller brachte seine Team-Dressur im Grade III mit einer deutlichen Steigerung gegenüber dem Einzelbewerb ins Ziel. Mit 65,567 % beendete das Paar die Prüfung auf Rang 15.

Dabei war es heute alles andere als einfach für den erfahrenen Championatsreiter aus Oberösterreich: „Hermine war heute schon beim Abreiten sehr nervös – so kenne ich sie eigentlich gar nicht. Im Viereck war sie dann unheimlich bemüht, dann hat es draußen laut gescheppert und ich hatte echt Sorge – aber sie hat das super gemeistert!“

Für Kopfzerbrechen sorgten einmal mehr die Noten. „Auch heute gab es große Diskrepanzen, die Wertungen lagen zwischen 68,5 und 63 Prozent. Keine Ahnung, wer mich nicht mag, oder wer mich besonders mag. Aber alles in allem bin ich einfach wahnsinnig stolz auf mein junges Pferd. Sie hat super mitgemacht, da bin ich echt dankbar. Mehr war einfach nicht möglich.“

Am Samstag schließen Julia Mitterhuemer und Showgirl die Para-Dressur-WM aus österreichischer Sicht ab. Im Teambewerb rangiert die rot-weiß-rote Mannschaft vor diesem letzten Ritt auf dem achten Platz unter 20 Nationen.