Fünf Pferde, fünf starke Persönlichkeiten
Eros 175, Fernandez, Harry 13, Maestro W und Magistraal bilden Gillinger Gespann für Aachen. Einen unumstrittenen Chef gebe es unter ihnen nicht. Jedes Pferd habe einen ausgeprägten Charakter und sehr genaue Vorstellungen davon, an welcher Position und neben welchem Partner es sich wohlfühlt.
Diese Ordnung zu finden, war eine der wichtigsten Aufgaben der vergangenen Monate. Gillinger stellte seine ursprünglichen Pläne immer wieder um. Er probierte die Pferde vorne und hinten, links und rechts. Dabei ging es nicht allein um individuelle Fähigkeiten, sondern um Beziehungen innerhalb des Gespanns.
„Ich habe durch viel Probieren die Lieblingsposition jedes Pferdes herausgefunden. Entscheidend ist nicht nur, ob eines vorne oder hinten, links oder rechts geht. Wichtig ist auch, wen es am liebsten neben oder vor sich hat. Ich habe fünf sehr individuelle Pferde mit starken Persönlichkeiten. Darauf muss man Rücksicht nehmen.“
Eines seiner bewegungsstärksten Pferde hätte Gillinger gerne links vorne eingesetzt. Doch dort entwickelte es so viel Vorwärtsdrang, dass der Partner an seiner Seite unter Druck geriet. Also wechselte das Pferd nach hinten.
Bei der Staatsmeisterschaft griff die neue Ordnung erstmals vollständig. Gillinger wurde Vizestaatsmeister, doch der Rang bedeutete ihm weniger als das Gefühl auf dem Kutschbock.
„Die Platzierung ist bei einem kleinen Starterfeld nicht die große Geschichte. Entscheidend war die Leistung. Ich hatte alle Pferde umgestellt und jedes an einer anderen Position eingesetzt. Das hat in der Dressur, im Marathon und im Kegelfahren funktioniert. Zum ersten Mal hatte ich einen wirklich harmonischen Viererzug vor mir.“
Fehler in der Dressur nahm der Fahrer ganz auf seinen Zylinder. „Die Pferde waren richtig gut, ich leider nicht ganz. Ich wollte ein bisschen zu viel“, sagt Gillinger. Die Erkenntnis blieb dennoch: Die Zusammensetzung funktioniert – und damit auch die Grundlage für Aachen.