Wenn sich am 19. August zwei Lebenswege verbinden

Genau 40 Jahre nach der Geburtsstunde seines Fahrtendienstes hallermobil reitet Thomas Haller erstmals bei einer Weltmeisterschaft in Aachen ein. Der sechsfache Paralympics-Teilnehmer startet mit Haller’s Hermine in seine vierte WM – und stellt dabei die gemeinsame Entwicklung über Punkte und Platzierungen.


Der 19. August 2026 wird für Thomas Haller in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Tag. Am Vormittag beginnt im Allianz Park die WM-Entscheidung der Para-Dressurreiter:innen im Grade III. Haller wird mit Haller’s Hermine erstmals in Aachen in ein Weltmeisterschaftsviereck einreiten.

Auf den Tag genau 40 Jahre zuvor begann ein anderer wichtiger Abschnitt seines Lebens. Am 19. August 1986 stieg Haller in sein erstes eigenes Fahrzeug. Es war die Geburtsstunde von hallermobil. Heute ermöglicht der Fahrtendienst nach Angaben des Unternehmers mit rund 3.000 Fahrten täglich Menschen mit Behinderungen Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe.

„Es wird für mich ein ganz besonderer Moment, wenn ich genau 40 Jahre später erstmals in das Stadion von Aachen einreiten darf“, sagt Haller.

Mit einem neuen Pferd auf die größte Bühne

An großen Championaten mangelt es dem Oberösterreicher nicht. Sechs Paralympische Spiele und drei Weltmeisterschaften liegen hinter ihm. Seit 1998 gehört er zu den Wegbereitern der österreichischen Para-Dressur. Aachen ist dennoch kein routinemäßiger weiterer Eintrag in seiner Karriere.

Das liegt vor allem an Haller’s Hermine. Erst seit Oktober 2025 arbeiten die beiden zusammen. Ihr erstes internationales Turnier bestritten sie im Juni 2026 in Stadl-Paura. In Ornago sammelten sie weitere gemeinsame Erfahrung.

Haller beschreibt die Stute als besonders lieb, nervenstark und stets bemüht, alles richtig zu machen. Sie verfüge über einen guten Schritt und lasse ihn vor allem im Trab sehr gut sitzen. Gleichzeitig ist sie noch nie bei einem Championat gestartet.

„Ganz ehrlich: Es ist ein gewisses Risiko, mit einem noch championatsunerfahrenen Pferd nach nur acht Monaten zu einer Weltmeisterschaft zu fahren. Sie hat sich zuletzt aber so nervenstark präsentiert, dass ich es einfach versuchen muss“, erklärt der Grade-III-Reiter.

In Aachen wird nicht nur die sportliche Qualität entscheiden. Hermine muss den Trubel, die neue Umgebung und die Atmosphäre der großen WM-Bühne verarbeiten. Haller wiederum muss ihr die notwendige Sicherheit vermitteln. „Dafür müssen natürlich auch meine Nerven halten.“

Seit 1998 hat sich fast alles verändert

Haller hat die Entwicklung der Para-Dressur von ihren Anfängen bis zum heutigen Spitzensport miterlebt. Bei den Paralympics 2000 in Sydney ritten die Athlet:innen noch auf zugelosten Leihpferden. Entscheidend war, wer sich innerhalb weniger Tage am besten auf ein unbekanntes Pferd einstellen konnte.

Heute benötigen erfolgreiche Paare langfristige gemeinsame Vorbereitung und erhebliche finanzielle Mittel. Haller sieht diese Entwicklung nicht unkritisch. Stolz ist er dennoch darauf, seit fast drei Jahrzehnten auf internationalem Niveau mitreiten und über den Sport zur Inklusion beitragen zu können.

Auch das österreichische Team reist mit mehreren neuen Konstellationen nach Aachen. Haller und Pepo Puch bringen jahrzehntelange Championatserfahrung mit. Julia Sciancalepore war bei den Paralympics in Paris Fünfte, während Julia Mitterhuemer vor ihrem ersten großen internationalen Championat steht. Puch startet mit einem neuen Pferd erstmals im Grade I, Haller mit seiner neuen Partnerin im Grade III.

„Wir verstehen uns gut, haben Spaß miteinander und unterstützen uns gegenseitig. Das Gute ist, dass wir nichts zu verlieren haben“, sagt Haller.

Das Bestmögliche – unabhängig von den Punkten

Der Wunsch nach einer Championatsmedaille ist auch nach sechs Paralympics nicht verschwunden. Noch wichtiger ist Haller in Aachen aber die gemeinsame Leistung mit Hermine.

„Unser Ziel ist, dass wir nach jedem Bewerb sagen können: Wir haben gemeinsam das Bestmögliche getan – ganz unabhängig von den Punkten.“

Am 19. August steht zunächst der Grand Prix A im Grade III auf dem Programm. Zwei Tage später folgt der Grand Prix B für die Teamwertung. Die acht besten Paare jedes Grades qualifizieren sich für die abschließende Kür am 23. August.

Ein gelungenes Ende der Weltmeisterschaft wäre für Haller, mit dem Erlebten und Erreichten zufrieden nach Hause zu fahren – und im besten Fall mit dem österreichischen Team einen ersten Schritt in Richtung Los Angeles 2028 gemacht zu haben.

Seine Haltung nach fast drei Jahrzehnten Spitzensport bringt er in einem Satz auf den Punkt: „Das Tierwohl steht immer an erster Stelle. Und aufgeben tut man nur einen Brief.“

Para-Dressur-Team in Aachen:
Thomas Haller (OÖ) – Haller‘s Hermine (Grade III)
Julia Mitterhuemer (ST) – Showgirl 4 (Grade IV)
Pepo Puch (ST) – Royale Choice (Grade I)
Julia Sciancalepore (K) – Heinrich IV (Grade I)
Equipechefin: Deborah Graf

WM-Programm Para-Dressur Aachen:

Mi, 19. August, 08:30-11:10 Grand Prix A Einzelfinale, Grade III (Medaillenentscheidung)
Mi, 19. August, 11:25-14:20 Grand Prix A Einzelfinale, Grade I (Medaillenentscheidung)
Mi, 19. August, 15:30-17:40 Grand Prix A Einzelfinale, Grade II (Medaillenentscheidung)
Do, 20. August, 08:30-11:55 Grand Prix A Einzelfinale, Grade IV (Medaillenentscheidung)
Do, 20. August, 12:30-15:55 Grand Prix A Einzelfinale, Grade V (Medaillenentscheidung)
Fr, 21. August, 09:00-11:10 Grand Prix B Teamfinale, Grade II (Medaillenentscheidung)
Fr, 21. August, 11:20-14:20 Grand Prix B Teamfinale, Grade I (Medaillenentscheidung)
Fr, 21. August, 15:00-17:45 Grand Prix B Teamfinale, Grade III (Medaillenentscheidung)
Sa, 22. August, 08:00-11:25 Grand Prix B Teamfinale, Grade V (Medaillenentscheidung)
Sa, 22. August, 11:40-15:30 Grand Prix B Teamfinale, Grade IV (Medaillenentscheidung)
So, 23. August, 08:15-09:20 Grand Prix Kür Einzelfinale Grade III (Medaillenentscheidung)
So, 23. August, 09:30-10:35 Grand Prix Kür Einzelfinale Grade II (Medaillenentscheidung)
So, 23. August, 10:50-11:55 Grand Prix Kür Einzelfinale Grade I (Medaillenentscheidung)
So, 23. August, 13:30-14:45 Grand Prix Kür Einzelfinale Grade IV (Medaillenentscheidung)
So, 23. August, 14:55-16:10 Grand Prix Kür Einzelfinale Grade V (Medaillenentscheidung)

Geplante Live-Übertragungen im ORF:
Sonntag, 23. August, 10.45 Uhr, ORF ON: Para-Dressur Grade 1 (Kommentator Michael Roscher, Co-Kommentatorin Petra Choc, um 12.30 Uhr zeitversetzt live in OSP, Highlights um 21.45 Uhr in OSP)

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