Felix Koller ist zurück. Der 29-jährige oberösterreichische Springreiter steht neben Max Kühner, Katharina Rhomberg und Bianca Babanitz im WM-Aufgebot für Aachen. Eine Reportage über Ausdauer, Mut und Glück.
Als Felix Koller im Sommer 2018 im französischen Fontainebleau die Silbermedaille bei den Europameisterschaften der Young Rider gewann, schrieb er österreichische Pferdesportgeschichte. Noch nie zuvor hatte ein österreichischer Springreiter in dieser Altersklasse Edelmetall gewonnen.
Nur wenige Monate später war der Oberösterreicher bereits im österreichischen Nationenpreisteam angekommen. Gemeinsam mit Max Kühner, Roland Englbrecht und Co. ritt er beim Nations Cup Finale in Barcelona auf Rang sieben. Zuvor hatte Koller mit dem Team auch noch beim CSIO5* Nationenpreis mit einer Doppelnull in Budapest einen überraschenden Sieg gefeiert. Österreich schien eine neue Generation an Spitzenreitern gefunden zu haben.
Dann kam 2019.
Ein positiver Dopingbefund seines Spitzenpferdes Captain Future stellte seine Karriere von einem Tag auf den anderen auf den Kopf. Koller konnte bald nachweisen, dass ihn keinerlei Schuld traf. Die Sperre gegen den Berufsreiter wurde sofort aufgehoben. Sportlich war der Schaden trotzdem enorm.
Captain Future war weg.
„Ohne ein Spitzenpferd ist es unglaublich schwer, wieder ganz nach oben zu kommen“, sagt Koller heute.
Was folgte, waren Jahre harter Arbeit. Stationen bei Paul Schockemöhle in Mühlen (GER), Jan Tops in Valkenswaard (NED) und Andreas Knippling in Hennef (GER) brachten wertvolle Erfahrungen, aber nicht jenes Pferd, das den Weg zurück in den internationalen Spitzensport ermöglichen konnte.
Parallel änderte sich auch privat vieles. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Anna-Lisa Schlüter wechselte er nach der Geburt ihres Sohnes Lio, heute eineinhalb Jahre alt, den Stall und zog nach Bonn (GER). Es ist Schlüters Heimatstadt und wurde, unterstützt von Sponsorin Ingetraut Bolz, die neue sportliche Homebase der kleinen Familie.
„Jetzt geht's wieder los“
Der Wendepunkt kam beinahe zufällig. Ein ehemaliger ukrainischer Stallkollege vermittelte ihm eine 13-jährige Stute namens Cossinelle.
„Nach einer Woche habe ich zu meiner Lebensgefährtin gesagt: Jetzt geht's wieder los.“ Das war Felix Kollers Ansage nach dem ersten gemeinsamen Turnier über die Höhe von 1,30 Meter. „Ich habe sogar gesagt: Aachen ist unser großes Ziel.“
Sie habe gelacht, erzählt Koller. „Zum Glück hat mich mein Gefühl nicht getäuscht!“
Innerhalb weniger Monate entwickelte sich Cossinelle zum neuen Spitzenpferd des Oberösterreichers. Weltcup-Platzierungen, starke Grand-Prix-Ergebnisse und Doppelnull-Runden im Nationenpreis machten das Paar im WM-Jahr zu einer festen Größe im österreichischen Team.
„Sie ist einfach unglaublich schlau“, beschreibt Koller seine Stute. „Sie macht kein großes Spektakel im Parcours, aber sie ist extrem effizient.“
Diese Effizienz führte zurück dorthin, wo alles einmal begonnen hatte: ins rot-weiß-rote Nationenpreisteam. Und nun nach Aachen. Für Koller ist diese Weltmeisterschaft weit mehr als ein weiteres Championat. Sie ist die Vollendung eines lang ersehnten Comebacks.
Der Kreis schließt sich in Aachen
Besonders emotional wird der Moment sein, weil ein Mann den Weg erneut mitgeht: Roland Englbrecht.
Der Spitzenreiter war Kollers Kindheitstrainer, Mentor und väterlicher Freund. Vor zwanzig Jahren startete Englbrecht selbst für Österreich bei den Weltreiterspielen in Aachen.
Nun reist er wieder dorthin. Nicht mehr als aktiver Reiter. Sondern als Betreuer jenes Schülers, den er einst auf seinem Weg begleitet hat.
„Ja, das ist wirklich etwas Besonderes. Roland hat mir das Reiten beigebracht. Er ist für mich weit mehr als nur ein Trainer. Roland ist quasi mein Stiefvater, weil er mit meiner Mutter zehn Jahre zusammen war, und seit dieser Zeit sind wir unzertrennlich. Vor genau zwanzig Jahren war er selbst bei den Weltreiterspielen in Aachen am Start. Jetzt darf ich dort für Österreich reiten und Roland begleitet mich wieder als Trainer. Schöner kann sich so ein Kreis eigentlich gar nicht schließen“, sagt Koller.
Es sind Geschichten wie diese, die den Sport größer machen als Medaillen. Felix Koller startet in Aachen nicht als Wunderkind von einst. Sondern als gereifter Sportler, Familienvater und Auslands-Oberösterreicher, der gelernt hat, dass Erfolg selten geradlinig verläuft.
Vielleicht macht genau das seine Rückkehr zu einer der schönsten Geschichte dieser Weltmeisterschaften.
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